Zwischen Warhol und Wahnsinn: Kunstauktionen

Es gibt momentan kaum einen vergleichbar glamouröseren Anlass, auf dem sich Hollywood-Stars und Machthaber herumtreiben; Kunstauktionen. Dazu verkündete die Sun diesen Sommer, es gibt nichts, was angesagter ist. Und die Pressebilder bestätigen dies. Vermehrt setzen Auktionshäuser darauf, Prominente Gäste zu laden und glanzvolle Champagner-Empfänge zu geben. Diese Event-Kultur lässt zwar die Kernfrage solch einer Auktion im Hintergrund verschwimmen, jedoch ist ein Blick auf die Entwicklung der Auktionshäuser und des Kunstmarktes äußerst interessant: Nämlich nahezu 600 Millionen Dollar brachten zeitgenössischen Werke allein dieses Jahr in den Abendauktionen der drei führenden Häuser Christie’s, Sotheby’s und Phillips de Pury in New York ein. Während die Arbeitslosenquoten in den USA Rekordzahlen erreicht und die Eurokrise hereingebrochen ist, schauen Verkäufer und Auktionshäuser zuversichtlich auf die Auktionen im Herbst. Das Wall Street Journal titelte bereits: »Der Kunstmarkt kommt zurück« und auch im Interview mit Sothebys (London/Paris) zeigte man sich wieder positiv und entspannt.

© Sotheby´s

Vor dem plötzlichen Absturz der Wirtschaft und dem darauf folgenden Ausbruch der Finanzkrise, schien die Kunstszene einem grenzenlosen Wahn verfallen, sowohl auf Seiten der Kunstschaffenden als auch bei den Käufern und Sammlern. Bestes Beispiel ist der britische Künstler Damien Hirst, der einen Totenschädel mit 8601 Diamanten besetzt hatte. Ohne seine Galerie zu benachrichtigen, versteigerte der britische Künstler seine Arbeit im Sommer 2007 direkt über ein Auktionshaus – für 100 Millionen Dollar. Dies war der höchste Preis, der jemals für das Werk eines lebenden Künstlers gezahlt worden ist. 2007 kamen bei den zwei Kunstriesen Sotheby’s und Christie’s Werke im Wert von 11,3 Milliarden Dollar unter den Hammer. Doch 2009, bei Einbruch der Finanzkrise, sah die Lage schon ganz anders aus. Denn sie schafften nicht einmal mehr die Hälfte. Vergangenes Jahr waren es dann doch wieder 9,8 Milliarden Dollar. Vieles deutet darauf hin, dass es dieses Jahr vielleicht sogar noch besser laufen könnte. Heute setzen mehr denn je auf die großen Namen. Diesen Mai wurde von Brett Gorvy mit 38 Millionen Dollar ein neuer Auktion-Weltrekord für ein Warhol-Porträt gesetzt. Warhols Werke allein setzten bei den Mai-Auktionen in New York 168 Millionen Dollar um, damit macht der verstorbene Pop-Art-Künstler ein Drittel des gesamten Auktionswertes aus. Ebenso verzeichnete man in der Fotografie Rekordsummen. So wurde Cindy Sherman´s Selbstporträt von 1981 mit knapp 3,9 Millionen Dollar in diesem Jahr zum teuersten Foto in der Geschichte der Kunstauktionen.

images via boingboing.net & globe-m.de

Bekannt ist der Kunstmarkt eigentlich für seine Mischung aus Leidenschaft und Kalkül, mittlerweile hat das Kalkül klar die Oberhand gewonnen. Die Kunstsammler sind äußerst vorsichtig, zurückhaltend und überlegter als noch vor wenigen Jahren. Heutzutage gilt der Kunstmarkt vielen Sammlern als asset class, ähnlich wie Industrieanleihen. Viele Käufer orientieren sich selten an ihren Gefühlen und mehr an den Gutachten von Berater. Jedoch kann Kunst tatsächlich als eine Alternative zu anderen Anlagen wie Aktien gesehen werden. Im Grunde hat sich diese Form der Anlage seit 1850 bewährt, also ist es kein unfassbar neues Gebiet.
Veränderung fand die Kunstszene auch durch die Globalisierung. Die neuen Reichen der Schwellenländer drängen nicht nur auf die Forbes-Liste der Milliardäre, sondern mehr und mehr in die Hallen der großen Auktionshäuser. Die Chinesen haben im vergangenen Jahr bei Auktionen und in Galerien Kunst im Wert von mehr als sechs Milliarden Euro erworben. Nur die Amerikaner haben noch einen drauf gesetzt. Inzwischen stellt Christie’s einen asiatischen Experten zur Verfügung. Bei jeder Auktion geraten neuer Käufer dazu, die aus allen Teilen der Welt kommen, aus Russland, Asien, den Golfstaaten und Lateinamerika.
Auch die USA erholt sich von der Krise. Zusammen sorgten die Vereinigten Staaten und China für 57 Prozent der Kunstkäufe weltweit, wobei auf China ein Marktanteil von 23 Prozent zurückfällt. Schon bald werden die Chinesen die USA als wichtigster Kunstmarkt der Welt ablösen. Weniger erfreulich sind die Prognosen für die Nachfrage in Europa. Sie stieg zwar zuletzt auch, aber nicht so stark wie in Übersee. So liegen Deutschland und die Schweiz mit 2 Prozent gleichauf. Interessant ist auch: am umsatzstärksten ist der Markt für Moderne Kunst, gefolgt von den Zeitgenossen und der Alten Kunst.

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Kategorien: Art & Culture, Finances

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